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Die Bürgermiliz Sipplingen e. V. ist eine historische Vereinigung die im Jahr 2024 auf 175 Jahre Vereinsgeschichte zurück blicken kann. Ihre Mitglieder sind keine Militaristen, sondern sie haben es sich zum Ziel gesetzt, das örtliche Brauchtum zu pflegen und zu erhalten, um es in kommende Generationen weiter zu tragen. Sie rückt in Sipplingen regelmäßig am Fronleichnamsfest, am Kirchenpatrozinium St. Martin und am Volkstrauertag aus. Sie ist auch Mitglied des im Jahre 1930 gegründeten Landesverbandes der Bürgerwehren und Milizen Baden-Südhessen.

Die Bürgermiliz besteht heute aus ingesamt drei Abteilungen: einem Spielmannszug, einer Milizkapelle und einer Mannschaft unter Gewehr. Die Bürgermiliz Sipplingen, in der Form wie sie heute noch besteht, geht zurück auf die Badische Revolution. Diese hatte im Mai 1849 ihren Höhenpunkt erreicht. In fast sich überstürzender Aufeinanderfolge brachten die Maitage jene Ereignisse, die in kürzester Zeit den Sieg der Revolution herbeiführten. In allen Landesteilen Badens hatten sich sogenannte Volksvereine gebildet, die den Umsturz der bestehenden Ordnung und Staatseinrichtungen anstrebten. Die Führer der revolutionären Partei, Hecker, Struve, Brentano usw. verkündeten in Volksversammlungen in Städten und Dörfern offen den Aufruhr und forderten die aufgeregten Volksmassen in Wort und Schrift zur allgemeinen Erhebung gegen die Regierung und zur Ausrufung der Republik auf.

In den Garnisonen Karlsruhe und Rastatt meuterte das Militär. In der, am 14. Mai 1849 vom Großherzog Leopold fliehend verlassenen Residenz Karlsruhe, zog noch am selben Tag die Revolutionsregierung ein. Auf den Hilferuf des Großherzogs rückten zwei preußische Armeekorps und starke Bundestruppen in Baden ein und schlugen den Aufstand nieder. Mitte Juli war ganz Baden bis zur Schweizer Grenze herauf von den Exekutionstruppen besetzt, die Führer des Aufstandes waren geflohen, die Trümmer der Revolutionsarmee gefangen.

In den letzten Tagen der Revolution in Baden tobte noch der Sturm in der Bodenseegegend, besonders in dem Dorf und Wohnsitz des Freiherrn von und zu Bodman. Am 9. Juli 1849 hatte eine Schar von Revoluzzern aus Nordbaden und Württemberg in den Stallungen des Schlosses zu Bodman übel gehaust und drohte nun dem Schloss selbst mit Raub und Plünderung. Auf den Notruf des Schlossherrn an die Nachbargemeinden, fand sich Sipplingen allein zu Schutz und Hilfe bereit.

In der Nacht des 9. Juli ertönte die Sturmglocke und rief die Sipplinger Bürger zu den Waffen. 24 bewaffnete Männer fuhren auf einem Segelschiff rudernd nach Bodman. Nicht ohne Gefahren landeten sie, auf dem Schiffsboden liegend, um ungesehen anzukommen. Von der adligen Herrschaft wurden sie aufs Freundlichste empfangen und bewirtet. Als dann die Freischaren wieder nahten, nahmen die Sipplinger 26 Eindringlinge fest, entwaffneten sie und führten sie geschlossen in das Amtsgerichtsgefängnis nach Stockach ab. Die Sipplinger Mannschaft trat von dort aus ihren Heimweg an.Schon wenige Tage nach ihrer Heimkehr traf bei der Gemeinde Sipplingen am 13.Juli 1849 folgendes Schreiben ein:


"Der Großherzogliche - Hessische Divisionsgeneral Freiherr Schäffer von Bernstein gibt der Bürgerwehr von Sipplingen seine besondere Zufriedenheit zu erkennen, für die von demselben betätigten lobenswerten Gesinnungen und den guten Gebrauch ihrer Waffen gegen die Rebellen. Der General befiehlt zugleich, dass die Gemeinde Sipplingen nicht entwaffnet werden soll."